Schwarmbörse
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Schwarmvorwegnahme

Von Mellifera e.V. kommt eine Methode der Schwarmvorwegnahme, die möglichst nah am natürlichen Schwarmgeschehen bleibt und deshalb einen Vorteil gegenüber der Bildung von Kunstschwärmen hat:

Das Konzept

Das Konzept beruht darauf, dass mit der Bildung des vorweggenommenen Schwarmes so lange gewartet wird, bis das Volk in Schwarmstimmung ist – also Weiselzellen bestiftet sind. Man muss den vorweggenommenen Schwarm vor der Verdeckelung der ersten Weiselzelle bilden, sollte aber möglichst lange warten. (Am neunten Tag nach der Bestiftung werden die Zellen verdeckelt. Frühestens ab diesem Zeitpunkt kann es einen natürlichen Schwarm geben.) Wenn der vorweggenommene Schwarm nicht zu früh gebildet wird, ist er Schwarm im echten Sinne: ein jugendlicher Volkskörper, der nicht aus „normalen“ Bienen, sondern aus Schwarmbienen besteht. Diese zeigen u.a. einen ausgeprägten Bauwillen, der gerade beim Imkern mit reinem Naturwabenbau sehr wichtig ist.

So geht's

Bei der praktischen Umsetzung sind – wie in jeder Imkerei – regelmäßige Schwarmkontrollen im 9 Tage- oder Wochen(end)rhythmus notwendig. Wird dabei Schwarmstimmung festgestellt (bestiftete Weiselzellen), macht man sich ein Bild davon, wie weit die älteste Weiselzelle entwickelt ist. Dies ist notwendig um alle weiteren Arbeiten termingerecht planen zu können, denn der zu erwartende Schlupftermin der ersten Jungkönigin lässt sich nur so errechnen. Sieht man bei der Durchsicht zufällig die Königin, kann sie schon gekäfigt werden. Dann ist ein versehentlicher Abgang des Schwarmes nicht mehr möglich.
(Mit gekäfigten Jung-Königinnen können auch vorweggenommene Nachschwärme gebildet werden, eine Königin oder Schwarmzelle muss aber als künftige Regentin im Restvolk bleiben!)

Der Schwarm wird möglichst kurz vor Verdeckelung der ersten Weiselzelle gebildet. Dazu muss die Königin gesucht werden. Die Wabe mit der Königin wird mit Abstand an den Rand gehängt, oder die Königin wird gekäfigt. Anschließend werden ca. die Hälfte der Bienen (1,5 - 2 kg) von Brutwaben über einen Trichter in die Schwarmkiste bzw. Beute abgefegt. Hat man keinen Trichter, spüht man nach dem Abfegen einiger Waben jeweils etwas Wasser aus einem Zerstäuber auf die Bienen, um sie am Auffliegen zu hindern. Die Königin gibt man als letztes in die Kiste. Sie läuft am schönsten selbst hinein, wenn in dem Trichter schon Bienen sterzeln.

Der vorweggenommene Schwarm wird für 1 bis 3 Tage in einen kühlen dunklen Raum gestellt (die sog. "Kellerhaft") und gefüttert. Danach kann er wie ein Naturschwarm in die neue Beute eingeschlagen werden – wenn es sein muss, sogar am gleichen Stand, an dem das Muttervolk steht.

Nachschwärme

Wenn man keine weiteren Schwärme haben will, werden die restlichen Weiselzellen (bis auf eine) im Muttervolk gebrochen. Es ist besser, eine der jüngeren Weiselzelle stehen zu lassen, weil die Bienen sich bei der Versorgung dieser einen Zelle mehr Mühe geben werden. Bei der nächsten Kontrolle maximal 9 Tage später müssen dann noch einmal ggf. vorhandene Nachschaffungszellen ausgebrochen werden. Es besteht ein kleines Risiko, dass aus der einen stehengelassenen Weiselzelle keine Königin schlüpft und das Restvolk weisellos wird. Wenn man dagegen zwei Weiselzellen auf einer Wabe stehenlässt bleibt dabei meist dennoch nur eine Königin übrig. Das relativ geringe „Risiko“ eines Nachschwarms kann man tolerieren und diesen ggf. vielleicht doch noch einfangen...

Aufstellung des vorweggenommenen Schwarmes

Der vorweggenommene Schwarm sollte idealerweise außerhalb des Flugradius aufgestellt werden. Ist das nicht möglich, kann man bei der Bildung des Schwarmes mehr Bienen abfegen (ein Teil kehrt in das alte Volk zurück) oder die Stellplätze von Muttervolk und Schwarm tauschen. Dann kann der vorweggenommene Schwarm kleiner sein, weil das Muttervolk seine Flugbienen an das neugebildete Volk verliert.


Mellifera e.V.